Beispiele der Sportförderung

Interview mit Sergei Aschwanden

Sergei Aschwanden, wie hat die Förderung zu Beginn Ihrer Karriere ausgesehen?
Am meisten haben mich meine Eltern und meine jeweiligen Vereinstrainer gefördert, unterstützt und auch gesteuert. Das Ziel der Eltern war immer, dass ich gesund aufwachsen kann. Wenn sie oder meine Trainer mich gesteuert haben, ging es eigentlich nie darum, mich in den Spitzensport zu drängen, sondern sie versuchten immer, mir einen Ausgleich zu verschaffen und mein Leben in Balance zu halten.

Wie werden Sie heute unterstützt?
Meine Eltern gehören immer noch zu meinen wichtigsten Förderern. Heute stehen sie mir in erster Linie in Gesprächen beratend zur Seite. Bei Fragen wie «Wann soll ich mit dem Spitzensport aufhören?» oder einfach als Mutmacher sind sie immer noch eine grosse Stütze für mich. Daneben ist natürlich Leo Held, mein Trainer, extrem wichtig für mich. Er ist sicher einer meiner grössten Förderer. Das übrige unterstützende Umfeld ist völlig anders als früher. Heute kümmert sich ein ganzer Stab von Leuten wie beispielsweise Ärzte, Physiotherapeuten, Ernährungsberater und Sponsoren darum, mir optimale Trainingsbedingungen zu ermöglichen.

Wie könnte man Sportler noch besser fördern?
Meiner Meinung nach gibt es zu wenig Unterstützung vom Staat. Für gewisse Sportarten kann das zwar ein Vorteil sein, für viele ist es aber ein Nachteil, gerade wenn man bedenkt, wie das teilweise im Ausland gehandhabt wird. Es könnte sehr hilfreich sein, wenn Spitzensport als Beruf anerkannt würde. In der Schweiz gibt es aber prinzipiell keine «Spitzensport-Kultur», das Bewusstsein dazu ist hier noch zu wenig weit entwickelt.

Wo beginnt eine sportliche Überforderung?
Das ist schwierig zu beantworten. Jede Person ist ein Unikat und reagiert anders auf Anforderungen. Zudem sind die Voraussetzungen in den verschiedenen Sportarten unterschiedlich. Der Leistungsdruck kann vielleicht zu früh kommen und dann alles – die Motivation und den Körper – kaputt machen. Es ist immer ein schmaler Grat zwischen Förderung und Überforderung. Im Spitzensport wird der Körper immer leicht überfordert, nur so kann ein Athlet überhaupt weiterkommen.

Kann ein Sportler selber erkennen, wenn er überfordert ist, oder ist er auf sein Umfeld angewiesen, das ihn darauf hinweist?
Beides ist wichtig. Ein Athlet spürt das prinzipiell selber. Aber ob er sich dann entsprechend verhält, ist eine andere Frage. Das Umfeld ist deshalb genau so wichtig. Das Zentrale dabei ist der ständige Austausch zwischen Athlet, Trainer und Umfeld. Zum Glück können wir Menschen sprechen! Egal, wie alt ein Sportler ist und wie viel Erfahrung er hat: Er muss immer mit dem Umfeld diskutieren, um gute Lösungen zu finden. Man muss darüber reden, was man empfindet und vor allem, wie man es empfindet.

Waren Sie selbst schon einmal überfordert?
Ja, schon mehrmals. Zum Beispiel an den Olympischen Spielen in Athen, aber auch schon im Training oder ganz allgemein in bestimmten Lebenssituationen. Wie gesagt ist hier das Gespräch immer ganz wichtig. Solche Situationen haben aber immer auch eine positive Seite. Ich lerne jedes Mal, wie ich ein Problem überwinden kann. Das ist letztlich genau das, was mich als Sportler weiterbringt. Ein Athlet ist immer ein wenig überfordert und entwickelt sich genau dadurch ständig weiter.

Wie gehen Sie mit Ihrer Überforderung um?
In kritischen Situationen müssen zuerst einmal die Emotionen raus. Danach versuche ich zu verstehen, warum etwas so gekommen ist. Auch hier stehen wieder Gespräche mit dem Trainer und dem Umfeld im Mittelpunkt. Schliesslich finden wir zusammen eine Lösung, um weiterzukommen und um beim nächsten Mal mit einer ähnlichen Situation umgehen zu können. Man muss als Sportler lernen, mit seiner Überforderung umzugehen, sonst bleibt man stehen!

Was raten Sie anderen Sportlern, wie sie mit einer Überforderung umgehen sollen?
Von aussen ist es immer einfach, gute Ratschläge zu erteilen. Man sollte versuchen, die Dinge und Umstände positiv zu sehen, als etwas, das einen weiter bringt. Die Grundfrage ist immer: Wie gehe ich mit der jeweiligen Situation um?

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