Meine Meinung

7 Fragen an Juliane Robra, Judoka


robra1. Das dritte Prinzip der Ethik-Charta im Sport heisst „Förderung der Selbst- und Mitverantwortung“. Das bedeutet, dass Sportlerinnen und Sportler an Entscheidungen beteiligt werden, die sie betreffen. Wie erleben Sie Selbst- und Mitverantwortung in Ihrem Sportalltag?

Die Grundlage sind der Judosport, meine Motivation, der Spass, den ich dabei mit anderen habe. Meine Trainerin erstellt zum Beispiel die Planung auf der Basis der Ziele, die wir zusammen festgelegt haben, und auf der Grundlage meiner aktuellen Fitness sowie der Daten und Informationen aus dem Training, den Wettkämpfen, Leistungstests usw. Die Umsetzung der Planung hängt also von mir, meiner Trainerin, den Partnern usw. ab.

2. Hat sich bei Ihnen persönlich etwas in Bezug auf die Bedeutung von Selbst- und Mitverantwortung verändert, als Sie sich entschieden haben, vom Breiten- zum Leistungssport zu wechseln?

Nein, nicht grundsätzlich. Man ist meiner Meinung nach auf andere Weise eingebunden. Denn beim Breitensport handelt es sich nicht um eine Hauptbeschäftigung, sondern um eine zusätzliche Aktivität. Der Leistungssport hingegen ist eine Hauptbeschäftigung.

3. Gibt es Grenzen der Selbst- und Mitverantwortung? Das heisst, gibt es Bereiche oder Momente, bei denen Sie bewusst die Verantwortung abgeben wollen?

Ja, ich würde gern auf den administrativen Teil und die Finanzierungsfragen verzichten, auf die Dinge, die nicht direkt etwas mit dem Judosport an sich zu tun haben J... Tatsächlich bedeutet „seinen Weg zu gehen“ auch, Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen – ich bin froh, dass ich nicht in die eine oder andere Richtung gedrängt werde, wenn ich also versage, weil ich mich dazu entschieden haben, die eine oder andere Richtung einzuschlagen, dann muss ich andererseits auch die Verantwortung dafür übernehmen.

4. Mitverantwortung geht davon aus, dass andere Beteiligte ebenfalls Verantwortung übernehmen. Wer sind diese Beteiligten in Ihrem konkreten Fall? In welchen Bereichen übernehmen diese Personen Verantwortung?

Die Betreuung auf nationaler Ebene u.a. in Bezug auf nationalen Strukturen und Ausscheidungswettkämpfe, die Spezialisten – das heisst insbesondere Ärzte und Physiotherapeuten, die mich beraten und mich z. B. bei einer Verletzung betreuen. Meine Trainerin in Bezug auf die Entwicklung meines Potenzials mit Hilfe der Trainingsplanung, der Trainingseinheiten, der Wettkämpfe und der Betreuung.

5. Können Sie ein Beispiel nennen, in welchem es für Sie von grosser Bedeutung ist, dass Sie selber die Verantwortung tragen?

Ein Beispiel? In meinem Leben ist es für mich allgemein wichtig, Verantwortung zu übernehmen. Am Ende meines Lebens möchte ich nichts bedauern. Am Ende eines jeden Tages möchte ich mit mir selbst im Einklang sein. Und ich möchte immer offenen Auges durchs Leben gehen.

6. Worin liegen für Sie der Wert und die Bedeutung des dritten Prinzips?

Das Bewusstsein der aktiven Rolle, die man beim eigenen Vorankommen spielt.

7. Haben Sie durch dieses Prinzip auch in Bereichen ausserhalb des Sportes profitieren können? Gibt es Beispiele dazu?

Ja, ich denke, dass wir täglich darauf treffen. Ich habe es z. B. in der Schule bei der Gruppenarbeit erlebt. Dies ist eine Möglichkeit, bei der wir uns selbst organisieren, unsere Richtung wählen, unsere Erfolgstrategie suchen und für das von uns erzielte Ergebnis Verantwortung übernehmen können.
Dies ist meiner Meinung nach ein grundlegendes Prinzip in jedem Bereich, denn schliesslich leben wir nicht in einem isolierten Raum, sondern in einer Gemeinschaft.



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