Meine Meinung

7 Fragen an Sascha Heyer, Beachvolleyball-Spieler


1. Das dritte Prinzip der Ethik-Charta im Sport heisst „Förderung der Selbst- und Mitverantwortung“. Das bedeutet, dass Sportlerinnen und Sportler an Entscheidungen beteiligt werden, die sie betreffen. Wie erleben Sie Selbst- und Mitverantwortung in Ihrem Sportalltag?

Als Beachvolleyballer ist Selbst- und Mitverantwortung bereits zentraler Bestandteil des täglichen Lebens. Wir sind fast ausschliesslich auf uns alleine gestellt. Von der sportlichen Planung über Finanzsicherung, PR- und Medienarbeit, Administration bis hin zum „Personalwesen“: Alles liegt in unserer Verantwortung. Ohne Eigeninitiative geht in unserem Sport gar nichts. Einmal ganz abgesehen von der Selbstverantwortung in Sachen Einsatz, Durchsetzungsvermögen und Siegeswillen.

2. Wie unterscheidet sich Selbst- und Mitverantwortung im Profisport vom Breitensport?

Insbesondere beim Wechsel vom Hallen- zum Beachvolleyball hat sich die Bedeutung von Selbst- und Mitverantwortung massiv verändert. Als Hallenspieler bist du Teil einer grossen Mannschaft mit Trainerstab und einer Vereinsführung, die sich um alle wichtigen Aspekte kümmert. Deine Aufgabe ist es, eine starke sportliche Leistung für das Team zu bringen, für den Verein dein Bestes zu geben und positiv in Erscheinung zu treten. Alle anderen Aufgaben werden dir abgenommen. Im Beachvolleyball liegt alles in deinen Händen. Du bist nicht nur Athlet, sondern Geschäftsführer eines KMUs. Da ist verständlicherweise auch der Einsatz und Wille zum Erfolg viel stärker ausgeprägt als in einem Gebilde, wo du nur ein kleiner Mosaikstein des Bildes bist.

3. Wo sind die Grenzen der Selbst- und Mitverantwortung im Profisport?

Wir sind gezwungen, Verantwortung an Experten abzugeben. Ohne diese bewusste Verlagerung von Verantwortung könnten wir die geforderten Leistungen durch die enorme Belastung mit Aktivitäten ausserhalb des sportlichen Teils nicht erbringen.

4. Mitverantwortung geht davon aus, dass andere Beteiligte ebenfalls Verantwortung übernehmen. Wer sind diese Beteiligten in Ihrem konkreten Fall?

Wir verfügen über eine 10-köpfiges Betreuerteam, das uns die Verantwortung in wichtigen Elementen abnimmt und uns so massiv entlastet. Sei es die Spielführung (Coaching) durch unsere ausgewiesenen Trainerexperten, das Engagement einer professionellen Sportmarketingagentur, der Unterstützung im Marketing durch eine Praktikantin, den Support eines Webmasters für den Internetauftritt, die Optimierung der Ernährung durch einen Supplementspezialisten oder die Regenerationsbeschleunigung durch den Physiotherapeuten und die medizinische Masseurin.

5. Nennen Sie ein Beispiel, was für Sie Selbstverantwortung in Ihrem Sportalltag bedeutet.

Niemand kann mir die Verantwortung für meine sportliche Leistung und die innere Motivation für das tägliche Training abnehmen. Ich bin mir verpflichtet, immer die bestmöglichste Leistung zu erbringen und den optimalen Leistungszustand anzupeilen. Zudem sind wir Sportbotschafter und haben als „Athleten des öffentlichen Interesses“ eine ethische und moralische Verpflichtung gegenüber der Öffentlichkeit. Insbesondere im Bezug auf Jugendliche und heikle Themen wie Tabak, Alkohol, Drogen und Doping.

6. Wo liegt Ihrer Ansicht nach der Nutzen dieses dritten Ethik-Prinzips für Sportler?

Das Prinzip der „Selbst- und Mitverantwortung“ ist für mich Teil des täglichen Lebens. Die Umsetzung im Sport ist dabei nur ein kleiner Teil der äusserst wichtigen Ethikregel.

7. Haben Sie durch dieses Prinzip auch in Bereichen ausserhalb des Sportes profitieren können? Gibt es Beispiele dazu?

Auf den Sport bezogen würde ich mir wünschen, dass die „Selbst- und Mitverantwortung“ auch in anderen Bereichen (insbesondere Teamsportarten) einen höheren Stellenwert bekommt, vor allem im Hinblick auf Vereinsarbeit, Clubloyalität und Teamspirit.



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