Meine Meinung

7 Fragen an Simone Berner, Unihockey-Spielerin


1. Das dritte Prinzip der Ethik-Charta im Sport heisst „Förderung der Selbst- und Mitverantwortung“. Das bedeutet, Sportlerinnen und Sportler werden an Entscheidungen, die sie betreffen, beteiligt. Wie erleben Sie Selbst- und Mitverantwortung in Ihrem Sportalltag?

Gerade in einem Teamsport ist es ausgesprochen wichtig, dass jedes Mitglied des Teams lernt, Verantwortung für sich selber und für die Gruppe zu tragen. Der Trainer kann nicht jeden Einzelnen die ganze Zeit begleiten. Darum ist jeder in erster Linie auch selbst verantwortlich für seine eigene Leistung. Er muss also beispielsweise schauen, dass er die Trainingseinheiten seriös absolviert, die taktischen Vorgaben umsetzt, fit ins Training kommt, genug schläft usw. Nur dann kann man als Team erfolgreich sein.

2. Hat sich bei Ihnen persönlich etwas in Bezug auf die Bedeutung von Selbst- und Mitverantwortung verändert, als Sie sich entschieden haben, vom Breiten- zum Leistungssport zu wechseln?

Natürlich merkt man mit zunehmender Professionalität auch, dass man mehr Verantwortung übernehmen muss. Ich denke, Selbst- und Mitverantwortung ist eine Voraussetzung, damit man im Leistungssport erfolgreich sein kann. Somit bringen das viele erfolgreiche Athleten schon mit.

3. Gibt es Grenzen der Selbst- und Mitverantwortung? Das heisst gibt es Bereiche oder Momente, bei denen Sie bewusst die Verantwortung abgeben wollen?

In einem Team wird die Verantwortung ja immer von allen Mitgliedern gemeinsam getragen. Natürlich gibt es jüngere Spieler, die noch weniger Verantwortung übernehmen müssen als die erfahrenen. Momente, in denen ich gerne Verantwortung abgeben, sind, wenn störende Einflüsse von aussen kommen (wie zum Beispiel aus den Medien), die mich unnötig belasten können.

4. Mitverantwortung geht davon aus, dass andere Beteiligte ebenfalls Verantwortung übernehmen. Wer sind diese Beteiligten in Ihrem konkreten Fall? In welchen Bereichen übernehmen diese Personen Verantwortung?

Natürlich sind das in erster Linie meine Mitspielerinnen. Ausserdem übernehmen unsere Trainer Verantwortung, indem sie zum Beispiel die Trainingsplanung machen, uns taktisch auf den Gegner einstellen oder im Spiel aktiv coachen.

5. Nennen Sie ein Beispiel, in welchem es für Sie von grosser Bedeutung ist, dass Sie selber die Verantwortung tragen.

Ein konkretes Beispiel ist, wenn ich einen Penalty ausführen muss. Unspektakulärer aber genauso wichtig ist es aber, dass ich meinem Team einfach mit einer guten Leistung helfe und als gutes Vorbild auftrete.

6. Worin liegen für Sie der Wert und die Bedeutung des dritten Prinzips?

Es ist ausgesprochen wichtig, dass ich als Sportlerin die Rahmenbedingungen und Entscheidungen, die mich betreffen, mit beeinflussen kann. Nur wenn ich damit einverstanden bin, kann ich mich auch voll und ganz engagieren und meine beste Leistung zeigen. Wer schon früh lernt, Selbst- und Mitverantwortung zu tragen, wird sich als Athlet besser entwickeln können.

7. Haben Sie durch dieses Prinzip auch in Bereichen ausserhalb des Sportes profitieren können? Gibt es Beispiele dazu?

Ich denke, es gibt ganz viele Anwendungsbeispiele ausserhalb des Sportes, sei es an der Arbeitsstelle oder bei der Organisation eines Familienfestes.



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