Meine Meinung
7 Fragen an Sandro Spreiter, Kanute
1. Das dritte Prinzip der Ethik-Charta im Sport heisst „Förderung der Selbst- und Mitverantwortung“. Das bedeutet, Sportlerinnen und Sportler werden an Entscheidungen, die sie betreffen, beteiligt. Wie erleben Sie Selbst- und Mitverantwortung in Ihrem Sportalltag?
Für meinen Sportalltag bin ich zum grössten Teil selber verantwortlich. Freestyle Kajak ist eine Randsportart. Unsere Nationaltrainer können nicht so oft bei den Trainings dabei sein, weil sie neben ihrer Trainerarbeit noch eine Vollzeit-Arbeitsstelle haben. Sie sind an den Wettkämpfen dabei und übernehmen dort die Verantwortung für die Athleten.
Für meine Trainingsplanung bin ich selber verantwortlich. Ich muss selber entscheiden, wie viel ich trainiere, um am Wettkampf gute Resultate zu erzielen.
Meistens trainiere ich mit meinen Freunden aus dem Nationalkader zusammen. Um mit den besten Paddler der Welt mithalten zu können, organisieren wir uns selbst und unternehmen Reisen an die besten Flüsse auf der Erde. Ende März dieses Jahres fliegen wir z.B. für fünf Wochen nach Afrika an den weissen Nil zur Saisonvorbereitung.
2. Hat sich bei Ihnen persönlich etwas in Bezug auf die Bedeutung von Selbst- und Mitverantwortung verändert, als Sie sich entschieden haben, vom Breiten- zum Leistungssport zu wechseln?
Mit dem Leistungssport verbindet sich bei mir auch, dass ich Angehöriger des Nationalkaders bin. Im Gegensatz zum Breitensport bin ich im Leistungssport verantwortlich, dass ich konstant gute Resultate bringe. Wenn ich über eine längere Zeit nicht in Topform bin, fliege ich aus dem Kader.
An Wettkämpfen werde ich heute von meinem Trainer betreut. Er trägt Mitverantwortung. Im Breitensport war ich komplett auf mich gestellt.
3. Gibt es Grenzen der Selbst- und Mitverantwortung? Das heisst gibt es Bereiche oder Momente, bei denen Sie bewusst die Verantwortung abgeben wollen?
Wenn es um Wettkampfqualifikationen der Athleten geht, muss meiner Meinung nach die Verantwortung komplett bei den Trainern liegen. Da möchte ich keine Mitverantwortung tragen. Kein Athlet sollte dort mitverantwortlich sein, sonst wird es unfair.
4. Mitverantwortung geht davon aus, dass andere Beteiligte ebenfalls Verantwortung übernehmen. Wer sind diese Beteiligten in Ihrem konkreten Fall? In welchen Bereichen übernehmen diese Personen Verantwortung?
Ausser mir übernimmt nur noch der Trainer Verantwortung. Dies aber vorwiegend an Wettkämpfen, um mich zu betreuen, zu beraten und zu entlasten. Für das Training bin ich zum grossen Teil selber verantwortlich. Der Trainer kontrolliert es und gibt mir nützliche Tipps.
5. Nennen Sie ein Beispiel, in welchem es für Sie von grosser Bedeutung ist, dass Sie selber die Verantwortung tragen.
Wenn es um meine Gesundheit geht, bin ich der Chef. Ich sage, wo die Grenze liegt.
6. Worin liegen für Sie der Wert und die Bedeutung des dritten Prinzips?
Selbst- und Mitverantwortung ist für mich im Sport sowie im alltäglichen Leben sehr wichtig. Die hohe Selbstverantwortung in meinem Randsport, wo viel selber organisiert werden muss, gibt mir viel Selbstvertrauen und Selbstständigkeit.
Dadurch, dass aber mein Trainer Mitverantwortung trägt, kann ich von seinen Entscheidungen profitieren und lernen.
7. Haben Sie durch dieses Prinzip auch in Bereichen ausserhalb des Sportes profitieren können? Gibt es Beispiele dazu?
Weil ich meinen Trainingsalltag selber organisiere, wurde ich in den letzten Jahren viel selbstständiger. Auf Reisen und an Trainingsweekends sind wir mit dem Nationalkader vielfach mit dem Zelt und dem Auto unterwegs. Wir kochen selber auf kleinen Gaskochern oder am Lagerfeuer. Durch diese Reisen und Trainings habe ich enge Freundschaften geknüpft und viel fürs Leben gelernt.