Meine Meinung

7 Fragen beantwortet von Alessandro Gaffuri, Schwimmer


1. Das dritte Prinzip der Ethik-Charta im Sport heisst „Förderung der Selbst- und Mitverantwortung“. Das bedeutet, Sportlerinnen und Sportler werden an Entscheidungen, die sie betreffen, beteiligt. Wie erleben Sie Selbst- und Mitverantwortung in Ihrem Sportalltag?

Es gibt verschiedene Bereiche in der Trainingsplanung, in denen ich als Sportler selber Entscheidungen fällen kann. Je nach Trainingsphase habe ich mehr oder weniger Mitspracherecht. Mit der Zeit lernt man auch, nach dem Gefühl trainieren zu können. Viel wichtiger ist aber meiner Meinung nach, dass ich meine Mitverantwortung im Bereich des Umfeldes tragen muss. Ich muss mich wohl und zufrieden fühlen, um meine Leistung im entscheidenden Moment „abrufen“ zu können. Als ältester Schwimmer meiner Trainingsgruppe trage ich auch Verantwortung gegenüber meinen Kameraden. Ich versuche meiner Rolle als Vorbild gerecht zu werden. Ich muss Entscheidungen fällen, die nicht immer nur meinen Ansprüchen entsprechen, sondern dem Team als Ganzem dienen.

2. Hat sich bei Ihnen persönlich etwas in Bezug auf die Bedeutung von Selbst- und Mitverantwortung verändert, als Sie sich entschieden haben, vom Breiten- zum Leistungssport zu wechseln?

Mein Wechsel zum Leistungssport erfolgte gleichzeitig mit dem Eintritt ins Berufsleben. Ich musste in beiden Bereichen Verantwortung übernehmen. Trotzdem ging das nur schrittweise voran, was aber auch nicht so schlecht war, da ich auf diese Weise dabei Stück für Stück lernen konnte. Je länger ich schwimme, desto mehr Verantwortung übernehme ich. Mit dem Älterwerden steigen die Ansprüche und die Zielsetzungen. Man möchte eingebunden werden in die Trainingsplanung und andere Entscheidungen. Gleichzeitig wird so die Mitverantwortung gesteigert.

3. Gibt es Grenzen der Selbst- und Mitverantwortung? Das heisst gibt es Bereiche oder Momente, bei denen Sie bewusst die Verantwortung abgeben wollen?

Für die ganze Trainingsplanung möchte ich nicht verantwortlich sein. Hier ist es wichtig, dem Trainer vertrauen zu können.

4. Mitverantwortung geht davon aus, dass andere Beteiligte ebenfalls Verantwortung übernehmen. Wer sind diese Beteiligten in Ihrem konkreten Fall? In welchen Bereichen übernehmen diese Personen Verantwortung?

Die wichtigsten Personen im Bereiche des Sportes sind mein Trainer und mein Umfeld wie Masseur, Ernährungsberater … Ich muss mich zu 100% auf sie verlassen können. Jeder ist auf seinem Gebiet ein Spezialist und gibt sein Bestes, damit ich meine Leistungen erbringen kann.
Noch wichtiger sind aber meine Eltern, auf die ich mich immer verlassen kann. Sie sind meine Ansprechpartner für Probleme jeglicher Natur. Zu wissen, dass sie sämtliche meiner Entscheidungen akzeptieren, gibt mir die Freiheit, die ich brauche, um mich wohl zu fühlen.

5. Nennen Sie ein Beispiel, in welchem es für Sie von grosser Bedeutung ist, dass Sie selber die Verantwortung tragen.

Mit der momentanen Schwimm- und Trainingssituation bin ich nicht zufrieden. Ich verliere den Spass beim Schwimmen. Es liegt jetzt an mir, an der Situation etwas zu ändern, damit ich damit zufrieden bin und den Spass und somit die guten Leistungen wieder finde.

6. Worin liegen für Sie der Wert und die Bedeutung des dritten Prinzips?

Ein Athlet ist eine Persönlichkeit. Er sollte sich stets weiterentwickeln und Verantwortung übernehmen. Je mehr Verantwortung man übernehmen muss, desto stärker wird man. Meiner Meinung nach kann man im späteren Leben davon profitieren.
Verantwortung zu übernehmen, kann aber auch heissen, sich den eventuellen Konsequenzen des Handelns bewusst zu sein und diese zu tragen. Entscheide ich mich falsch, kann das für meine Sportart und für mich schlimm enden. Würde ich zu Doping greifen, hätte ich den Respekt meiner Kollegen nicht mehr verdient und hätte mich selbst aufgegeben.

7. Haben Sie durch dieses Prinzip auch in Bereichen ausserhalb des Sportes profitieren können? Gibt es Beispiele dazu?

In meinem Job muss ich manchmal Verantwortung übernehmen. Ich bin froh, mich auf Erfahrungen aus dem Schwimmen berufen zu können. Ausserdem bin ich froh, dass ich meine psychischen und physischen Grenzen aus dem Sport kenne. Ich habe so das Gefühl, mich besser zu kennen und in manchen Situationen schneller und zielgerichteter reagieren zu können.



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